Haushaltsführerschein
Eine Premiere gab es an der Rheinauer Realschule. Neun Mädchen der 9. Klasse
haben von der Landesvorsitzenden des Landfrauenverbandes Südbaden Marianne Anselm
den "Haushaltsführerschein" in Empfang dürfen. Für die Landesvorsitzende war es
dabei eine besondere Freude, dass dies in ihrem Heimatbezirk Kehl-Hanauerland geschah.
Julia Fischer, Nadine Knörle, Jessica Burg, Therese Ell, Savanna Schindler, Sarah
Dinger, Elisabeth Baumstark, Jessica Müller und Sarah Hauß sind damit die ersten
im Land, die an dem auf einer Kooperation mit dem Kultusministerium und den
Landfrauenverbänden basierenden freiwilligen Fortbildungsprogramm teilgenommen haben.
In 26 zusätzlichen Unterrichtsstunden hat ihnen die Hauswirtschafterin Beate Müller,
Vorsitzende der Freistetter Landfrauen, die Grundlagen dazu vermittelt. Der
Haushaltsführerschein vermittelt Wissen in den Bereichen Kleidung und Wäschepflege,
etwa die Eigenschaften verschiedener Fasern und deren Pflege, die Verwendung von
Waschmitteln, Bügeltechniken oder einfach nur Flicken und Knöpfe annähen, in den
Bereichen Gesundheitsprophylaxe und Hygiene, etwa die Zuordnung von Putzmitteln
nach dem jeweiligen Einsatzgebiet und deren wirtschaftliche Anwendung nach ökologischen
Gesichtspunkten. Dazu gehören auch Ernährungslehre und Nahrungszubereitung, die
Speiseplanung unter Berücksichtigung regionaler und saisonaler Produkte, Gartechniken,
Grundrezepte, Einkaufsplanung und nicht zuletzt auch das Finanzmanagement im Haushalt.
Schon lange setzt sich der Landfrauenverband dafür ein, dass diese wichtigen
Alltagskompetenzen von Mädchen und Jungen in der Schule erlernt werden, wissend auch,
dass diese Kenntnisse nicht wie ein Geschenk in den Schoß fallen, sondern genauso
erlernt werden müssen wie lesen, rechnen oder der Umgang mit dem PC. Marianne Anselm
machte die Position der Landfrauen deutlich: "Wir wissen, dass 3,5 Millionen
Privathaushalte überschuldet sind, dass durch falsche Ernährung in Deutschland
jährlich 76 Milliarden Euro Kosten anfallen und dass pro Jahr rund 1 Million Tonnen
Wasch- und Reinigungsmittel durch Überdosierung verbraucht werden. Wir wissen aber auch,
dass wir unsere Erde von unseren Kindern nur geborgt haben und nachhaltig und
umweltgerecht damit umgehen müssen". Dafür stünden die Landfrauen und dafür stellten
sie gegenüber der Politik entsprechende Forderungen. Leider habe jedoch gerade die
Hauswirtschaft nicht den Stellenwert, den sie verdiente, wenngleich sie eine wichtige
Schlüsselqualifikation für die Zukunftsfähigkeit und die Lebensqualität darstellte.
Die von den Landfrauen hier angebotenen Lerninhalte entsprechen auch dem von den
Vereinten Nationen für die nächsten 10 Jahre ausgerufenen Moto "Bildung für nachhaltige
Entwicklung".
An der Freistetter Realschule hat man das längst erkannt und in Konrektorin Christel
Göttlich, selbst Mitglied bei den Landfrauen, eine Fürsprecherin gefunden. Aber auch
bei Rektor Gebhard Glaser stieß das Angebot sofort auf offene Ohren: "Wir wissen um
die Bedeutung der Landfrauen im ländlichen Raumund freuen uns, dass sie ihr Wissen in
die Schulen hineinbringen wollen," machte er deutlich. Es passe zum Profil der
Realschule, die sich öffnen müsse, rausgehen und neue Dinge hereinnahmen müsse damit
die Schule lebendig werde. Die Ausbildung solle keine einmalige Sache bleiben, sondern
eventuell sogar im kommenden Schuljahr in zwei Schulhalbjahren angeboten werden. Und
vielleicht nehmen ja beim nächsten Mal auch einige Schüler teil. Er bedankte sich bei
Beate Müller, die ihr Fachwissen aber auch ihre Kompetenz im Umgang mit den Schülerinnen
eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat und er hofft, dass sie auch weiter für diese
Kurse zur Verfügung steht.
Die Absolventinnen des Haushaltsführerscheins mit Marianne Anselm, Beate Müller,
Gebhard Glaser, Martina Hartmann vom Förderverein Realschule und Doris Hertweck,
Elternbeiratsvorsitzende
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